Nachdem Eigentümer von SSD-Festplatten jetzt genau wissen, wie sie ihrem Datenspeicher Beine machen, lässt ITACE die vielen Nutzer von herkömmlichen Platten nicht verhungern. Mit einigen wenigen Windows-Einstellungen können Sie aus denen nämlich ein deutliches Leistungsplus heraus kitzeln. Und das ist gar nicht schwierig.
Virtueller Speicher mit Handbremse
Auf den ersten Blick sind Festplatten einfach nur Massenspeicher für Programme und Daten, der PC kann sie darauf abspeichern und später wieder auslesen. Und die Geschwindigkeit des Mediums Festplatte wird eindeutig durch die technischen Rahmenbedingungen wie Drehzahl oder Zugriffszeit oder die verwendete Schnittstelle festgelegt. Wo sollen also die deutlichen Verbesserungen herkommen? Die Antwort erschließt sich schnell, wenn man sich eine Besonderheit der Windows-Speicherverwaltung anschaut: Die Auslagerungsdatei, auch „virtueller Speicher“ genannt. Windows nutzt diese Datei, um jegliche Daten, die gerade nicht mehr in den Arbeitsspeicher passen, kurz abzulegen und bei Bedarf wieder nachzuladen. Doch das kostet eine Menge Performance, denn eine Festplatte kann mit der Geschwindigkeit des schnellen RAM-Speichers bei weitem nicht mithalten. Damit das Auslagern von Daten nur das absolute Mindestmaß an Leistungsverlust bedeutet, helfen ein paar geschickte Tweaks an den Windows-Einstellungen.
Langsame Grundeinstellungen
Standardmäßig passt Windows die Größe des virtuellen Arbeitsspeichers dynamisch an den momentanen Bedarf an und verteilt die zwischengespeicherten Daten auf alle vorhandenen Festplattenpartitionen. Der Vorteil: Windows blockiert dadurch keinen Speicherplatz, der sonst anderen Dateien oder Programmen zur Verfügung stehen würde, und durch das Verteilen auf mehrere Laufwerke wird das System-Laufwerk C: entlastet. Ist das durch Programme und große Dateien voll, kann Windows trotzdem noch Daten auslagern und normal weiterarbeiten.
Dieses Verfahren kostet jedoch Leistung, und das umso mehr, je seltener die Festplatte vom Anwender defragmentiert wird. Vergrößert Windows bei starker Auslastung die Auslagerungsdatei, steht nämlich nur fragmentierter Speicherplatz zur Verfügung, der in kleinen oder winzigen Splittern über die ganze Festplatte verteilt ist. Die Folge: Windows muss Programme von der fragmentierten Platte starten und zur gleichen Zeit Daten in eine fragmentierte Auslagerungsdatei schreiben. Das sorgt für doppelten Leistungsverlust.
Einfaches Defragmentieren der Festplatte bietet allerdings oft keine Abhilfe, denn Windows verringert die Größe des virtuellen Speichers bei niedriger Auslastung nicht sofort. Beim nächsten Defragmentierungsvorgang bleibt die Auslagerungsdatei also meist unangetastet, weil sie für jeglichen Zugriff von außen gesperrt ist.
Manueller Turbo
Drei Maßnahmen optimieren die Nutzung des virtuellen Speichers:
- Schalten Sie die automatische Verwaltung aus. Teilen Sie der Auslagerungsdatei eine feste Größe zu, damit sie in Zukunft beim Vergrößern und Verkleinern nicht mehr fragmentiert wird. Dabei können Sie sich an der Empfehlung orientieren, die Windows vorgibt.
- Legen Sie die Datei auf einer Festplatte/Partition an, die zuvor restlos defragmentiert wurde. Dazu muss der virtuelle Speicher vorüber gehend deaktiviert (oder auf eine zweite Partition verlagert) werden.
- Wählen Sie als Speicherort für die Auslagerungsdatei, sofern in Ihrem PC vorhanden, die zweite physikalische Festplatte aus. Dadurch erhalten Sie eine Auslagerungsdatei, auf die Windows mit voller Geschwindigkeit der zweiten Festplatte zugreifen kann.
Weitere Tweaks
Windows bietet zwei weitere Möglichkeiten, die Leistung der Festplatte zu verbessern:
- Die Aktivierung des Schreibcaches: Oft ist der Zwischenspeicher für Schreibvorgänge von Haus aus deaktiviert und sorgt für eine geringere Schreibgeschwindigkeit. Durch dessen Einschalten werden Daten, die auf der Platte gespeichert werden sollen, zunächst in einen reservierten Zwischenspeicher geschrieben und erst dann in einem Rutsch zur Festplatte übertragen. Windows ist aber schon wieder bereit, wenn der Schreibvorgang in den Zwischenspeicher abgeschlossen ist.
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Vergrößern Sie die „MFT“, die „Master File Table“ der Festplatte. Das NTFS-Dateisystem speichert in dieser Tabelle sämtliche Informationen aller gespeicherten Dateien. Das ermöglicht der Festplatte einen schnellen Zugriff auf die Daten. In der Standardeinstellung ist diese Tabelle jedoch in ihrer Größe stark eingeschränkt, was die Festplatte unnötig ausbremst. Ältere Informationen müssen aus Platzmangel nämlich immer wieder gelöscht und später neu in die MFT eingetragen werden. Durch ändern der Größenbeschränkung lassen sich dieser Effekt verringern und der Datenzugriff beschleunigen.
Nützliches Defragmentierungs-Tool
Im anschließenden Workshop erfahren Sie, wie Sie die nötigen Einstellungen zur Optimierung Ihrer Festplatte vornehmen. Zur Defragmentierung der Festplatte empfiehlt ITACE das kostenlose Tool MyDefrag, das mit verschiedenen vorgefertigten Scripten die genaue Einstellung der Gründlichkeit bei der Festplattenbereinigung erlaubt. Anschließend finden Sie Anleitungen, wie Sie die MFT-Größe anpassen und – falls erforderlich – den Schreibcache Ihrer Festplatte aktivieren.
Den virtuellen Speicher optimal einrichten
Vergrößern der Master File Table und aktivieren des Schreibcache






