Festplatten mit der neuen Technik „Advanced Format“ sollen mehr Kapazität ermöglichen. Bisher bremsen sie aber vor allem Windows XP aus. Im Internet kursieren Horrormeldungen über extremen Leistungsabfall. Ist da etwas dran? ITACE hat nachgemessen.


Neue Technik für mehr Kapazität

Eine der ersten Serien mit der "Advanced Format"-Technik ist die Strom sparende Caviar Green-Familie.

Um auf den Plattern von Festplatten ein wenig mehr Platz zu gewinnen, formatierte Western Digital als erster Hersteller einige Modelle mit dem so genannten Advanced Format. Statt einen Sektor mit 512 Bytes zu formatieren, kommen dabei 4.096 Bytes pro Sektor zum Einsatz. Das bringt einige Vorteile, vor allem in Punkto Kapazität. Denn so kommt der Sektorenabstand nur noch einmal statt wie bisher achtmal pro 4.096 Bytes (oder 4 KByte) vor. Der Trick besteht darin, das pro Sektor stets Kontroll- und Steuerdaten geschrieben werden, die unter anderem für eindeutige Adressierung und Fehlerkorrektur zuständig sind. Wenn die Sektorengröße nun um ein vielfaches größer wird, spart man sich die vielfachen Kontroll- und Steuerdaten. Das ergibt eine Einsparung von rund 7 bis 11 Prozent, die dann entweder für die Nutzdaten zur Verfügung stehen, oder bei gleichbleibender Speichergröße eine kleinere Bauweise erlauben.Zudem soll auch die Fehlerkorrektur (ECC) effizienter arbeiten.

An sich also keine schlechte Sache. Aber bislang überwiegen die Nachteile. Erstens hat die Technik bislang noch keine Auswirkungen auf die Kapazität. Zwei Terabyte stellen aktuell also immer noch das Ende der Fahnenstange dar, ob jetzt mit oder ohne „Advanced Format“. Es stellt vielmehr zunächst eine vorbereitende Maßnahme dar, um später weitere Kapazitätssteigerungen zu ermöglichen. Schon heute aber bremsen derartige Festplatten Windows XP massiv aus.

Windows XP Bremse

Knackpunkt an der Sache ist, dass das Betriebssystem die Technik unterstützen muss, denn die Festplatten melden nach außen weiterhin eine Sektorgröße von 512 Byte. Bei Windows XP ist aber nicht der Fall, lediglich MacOS (Tiger, Leopard und Snow Leopard), Vista und 7 kommen damit klar. XP arbeitet hingegen langsamer, weil es mit einen Versatz der Sektorgrenzen zu kämpfen hat. Dieser Versatz entsteht, weil zwischen den 4 KB-Sektoren auf der physikalischen Ebene und den 4 KB-Clustern auf der logischen Ebene die ersten 62 Sektoren der Festplatte von XP leergelassen werden und das Betriebssystem erst ab Sektor 63 die Partitionen anlegt. Windows liest die Daten auf den Sektoren technisch bedingt immer in einem ganzen Cluster (bei NTFS Standard= 4096 KB) aus. Dieser Cluster liegt jetzt aber über zwei Sektoren – dementsprechend muss Windows gleich zwei Sektoren auslesen, um alle Informationen einzulesen.

Im Schnitt 25 Prozent Leistungsabfall

Im Internet kursieren Meldungen, dass dadurch bis zu 50 Prozent Leistungsabfall entstehen können. ITACE hat das überprüft. Im Benchmarktest mit PCMark zeigte sich tatsächlich, das die Leistung um rund 25 Prozent zurückging. Und auch in der Praxis zeigten sich einigen Zugriffen und Kopiervorgängen kurzzeitige Verzögerungen. Durchaus ein Ärgernis. Zum Glück lässt es sich leicht beheben.

Hersteller-Tools für volle Leistung

Für XP-Nutzer gibt es zwei Möglichkeiten die Bremse zu lösen. Möglichkeit 1 besteht darin, vor dem ersten Formatieren einen bestimmten Jumper zu setzen. Nachträglich kann man das Softwareseitig umsetzen. Der Hersteller WD bietet beispielsweise Lösungen an, die das automatisch beheben. Diese Software „WD Align“ ist kostenlos auf der Herstellerseite erhältlich. Es soll Partitionen auf dem Advanced Format-Laufwerk so abstimmen, dass für bestimmte Konfigurationen eine maximale Leistung erzielt wird.

Hinweis: Erkennbar sind die Advanced-Format-Geräte von Western Digital an der Produktbezeichnung „EARS“ oder „BPVT“. Ab Januar 2011 sollen die Festplatten aller Hersteller in dem neuen Format erhältlich sein.

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