Erinnern Sie sich noch an alte Star-Trek-Folgen? In denen die Schauspieler Bücher oder Informationen von schicken tragbaren Computern abgelesen haben? Zumindest dieser Teil der Fiktion ist längst Realität: Bücher können Sie heute in elektronischer Form kaufen und mit schicken E-Book-Readern wie dem Sony PRS-650 lesen. Mal schauen, ob das Gerät auch mit inneren Werten glänzt.


E-Books auf dem Vormarsch

Keine Frage: E-Books haben eine Menge Vorteile. An erster Stelle steht sicher der Umwelt-Aspekt, denn für ein E-Book muss kein Papier bedruckt und kein Baum gefällt werden. Und auch der massenhafte Transport in die Buchhandlungen entfällt. Auf dem Weg in den nächsten Urlaub fällt dann das Gewicht der ausgesuchten Schmöker weg, der Koffer wird leichter oder bietet mehr Platz für anderes Gepäck. Doch was muss ein E-Book-Reader können, damit auch das Lesen zum Vergnügen wird? Zunächst einmal sollte das Display den Text für die Augen gut sichtbar und erkennbar darstellen – idealerweise ähnelt der Eindruck echtem Papier. Zweitens sollte das Gerät möglichst lange ohne externe Stromquelle auskommen, also eine lange Akkulaufzeit besitzen. Drittens sollte es genug Speicherplatz für E-Books geben, und dieser Speicherplatz sollte sich nach Bedarf erweitern lassen. Darüber hinaus muss es Schnittstellen geben, um E-Books auf das Gerät herunterzuladen. Und nicht zuletzt sollte das elektronische Lesen fast so einfach sein wie der Griff zu einem Buch. Wie wird sich der Sony PRS-650 bei diesen Aufgaben schlagen?

Display als Paradedisziplin

In der ersten und wichtigsten Disziplin, der Qualität des Displays, kann der Sony richtig glänzen. Das so genannte „Pearl“-Display-Panel entstammt der neusten Generation, Kontrast und Schärfe sind ausgezeichnet. Schrift sieht auf dem 6-Zoll- (15-cm-) Bildschirm wirklich fast so aus wie ausgedruckt. Dazu tragen sicher die hohe Auflösung von 800 x 600 Bildpunkten und die darstellbaren 16 Graustufen bei. Die genügen auch, um Schwarzweiß-Bilder gut erkennbar darzustellen. Der Hintergrund ist recht hell, fast weiß, und scheint von innen heraus zu leuchten. Die Farbgebung erinnert sehr an helles Recycling-Papier und ist für das Auge ausgesprochen angenehm. Was aber besonders positiv auffällt, ist die Schnelligkeit, mit der der PRS-650 Seiten und Abbildungen dargestellt. Das Umblättern und Aufrufen neuer Seiten gestaltet sich dadurch ausgesprochen leicht und spielerisch, man könnte fast vergessen, ein elektronisches Gerät in der Hand zu haben. Ebenfalls gut: Die Schriftgröße der E-Bücher lässt sich in sechs Stufen an den persönlichen Geschmack anpassen, der Zeilen- und Seitenumbruch passt sich automatisch an. So macht das Lesen wenig Mühe, die Augen bleiben entspannt.

Bedienung per Fingerzeig

Zur Leichtigkeit des Seins trägt beim Sony PRS-650 auch das berührungsempfindliche Display bei. Das Umblättern geschieht per Wischbewegung mit dem Finger, das Aufrufen von Büchern oder Menü-Funktionen durch Antippen. Das klappt schon mit der Fingerspitze so gut, dass der mitgelieferte Plastikstift meist in seiner Halterung bleibt. Den braucht man eigentlich nur, um vielleicht einmal eine Textstelle zu markieren oder eine handschriftliche Notiz hinzuzufügen. Auch bei der Bedienung macht sich die Schnelligkeit des Displays positiv bemerkbar, denn das erleichtert die Navigation durch die wenigen und sehr übersichtlichen Menüs ganz erheblich. Gut: An erster Stelle im Hauptmenü befindet sich ein großer Bereich, der durch Antippen die zuletzt gelesene Textstelle wieder aufruft. Zum Weiterlesen eines Buchs ist also kein mühsames Navigieren nötig.

Letztlich ist der PRS-650 ist nur knapp 10 Millimeter flach und wiegt lediglich 215 Gramm. Das trägt ebenfalls zu einer ermüdungsfreien Handhabung bei.

Wie bei E-Book-Readern üblich, liegt der Packung nur eine Schnellanleitung zur Inbetriebnahme des Geräts bei, das eigentliche Handbuch ist als PDF-Datei auf dem Gerät gespeichert. Wer DRM-geschützte Bücher lesen will, muss zuvor ein Konfigurationsprogramm ausführen, das Kundenkonto im E-Book-Store und E-Book-Reader aufeinander abstimmt und so die Anzeige der Bücher ermöglicht. Das geht nicht ohne einen PC oder Mac, an den das Gerät per USB-Kabel angeschlossen werden kann.

Speicherplatz und Akkulaufzeit

Hinsichtlich der Ausstattung mit Speicherplatz muss sich der Käufer des Sony keine Sorgen machen, denn ab Werk bringt das Gerät schon eine ordentliche Kapazität von zwei Gigabyte mit. Das entspricht dem Standard bei Geräten aus dieser Leistungsklasse und genügt bereits für mehrere Tausend Bücher, die im Schnitt deutlich unter 1 Megabyte groß sind. Wer mit dem PRS-650 unterwegs Musik hören möchte und mehr Speicherplatz benötigt, kann dazu entweder eine SD-Karte oder einen Memory-Stick bis zu einer Größe von 32 Gigabyte den jeweiligen integrierten Steckplatz schieben.

Mit einer Akkuladung kommt der PRS-650 laut Hersteller volle zwei Wochen aus, sofern man ihn nur zum Lesen von E-Books einsetzt. Wird das Gerät zusätzlich als MP3-Player genutzt, verkürzt sich die Standzeit der Akkus. Im Urlaub sollte aber genug Zeit sein, einige Schmöker auszulesen, bevor der Reader frischen Strom benötigt. Schlecht: Im Lieferumfang des Geräts befindet sich nur ein Micro-USB-Kabel. Ohne Zubehär ist das Aufladen also nur via PC/Notebook möglich. Wer den PRS-650 ohne Computer aufladen möchte, braucht ein Netzteil mit USB-Anschluss, das etwa für 49 Euro von Sony gibt (oder andere Geräte für weit weniger Geld im Elektronikhandel).

Kontakt zur Außenwelt

Für neue E-Books oder die eigene MP3-Sammlung gibt es nur zwei Wege in den Speicher des PRS-650: Entweder per USB-Kabel oder per Speicherkarte. Ohne Notebook oder PC als Daten- (und Strom-) Tankstelle kommt man also in keinem Fall aus. Das kann lästig werden, denn im Urlaub möchte man vielleicht auch einmal ohne Notebook unterwegs sein, zudem hatte der E-Book-Reader ja ursprünglich den Zweck, Platz und Gewicht im Koffer zu sparen. Die meisten E-Reader bieten Alternativen wie eine WLAN-Schnittstelle, mit der im nächsten Hotspot neue E-Books aus dem Internet geordert werden können, oder sogar UMTS-Fähigkeit für den ganz mobilen Internet-Zugriff. Die fehlen dem Sony leider komplett, ebenso wie ein integrierter Webbrowser.

Fazit: Schicker E-Reader mit magerer Ausstattung

Wer einen schlichten, schlanken E-Book-Reader mit einem sehr guten Display sucht, ist mit dem Sony PRS-650 gut bedient. Die angenehm einfache Bedienung, die aufgeräumten Menüs und das geringe Gewicht machen den Gebrauch in der Tat fast so unkompliziert wie das Aufklappen eines Buchs. Hinsichtlich der Ausstattung muss der Käufer aber Kompromisse eingehen: Ein passendes Netzteil kostet extra, und der eigenständige Zugriff aufs Internet ist erst gar nicht vorgesehen, so dass ein Notebook fast zwangsweise immer griffbereit sein muss. Alles in allem bekommt man für einen Preis von 229 Euro also einen guten E-Book-Reader, der gut 30 Euro teurer ist als vergleichbare Konkurrenzgeräte, dafür aber bei der Ausstattung spart. Rechnet man die knapp 50 Euro für ein Original-Netzteil hinzu, vergrößert sich die Preisdifferenz auf insgesamt fast 40 Prozent. Insofern ist der PRS-650 ein typisches Sony-Gerät: Gut, aber auch etwas für Kunden mit einem Hang zur Exklusivität.

PRS-650
Hersteller: Sony
Preis: 229 Euro (UVP)

Technische Daten

  • Bildschirm-Technologie: E Ink Pearl Touchscreen
  • Bildschirmgröße (Zoll/cm): 6 /15,24
  • Auflösung: 600 x 800, Grauschattierung mit 16 Abstufungen
  • Integrierter Flash-Speicher: 2 GB
  • Speicher-Schnittstellen: Memory Stick DUO-Steckplatz, SD Card-Steckplatz
  • Akkubetriebsdauer: 2 Wochen
  • USB-Anschluss: Micro-USB 2.0 (Sony-spezifischer Anschluss am Gerät)
  • Kompatible E-Book-Formate: EPUB E-Book, Adobe PDF, Microsoft Word, TXT, RTF, BBeB
  • DRM-geschützte E-Books und Textformate: EPUB E-Books (Adept), BBeB E-Books (Marlin)
  • Audioformate: MP3, AAC
  • Bildformate: JPEG, GIF, PNG, BMP
  • Abmessungen (B x H x T, Millimeter): 118,8 x 168 x 9,6
  • Gewicht: 215 Gramm
  • Sonstige Anschlüsse: Kopfhörer-Anschluss, 3,5 mm Klinke
  • Lieferumfang: Micro-USB-Kabel, Kurzanleitung, E-Book-DRM-Software


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