Fast zwei Jahre nach der ersten Auslieferung einer 2 Terabyte-Festplatte bringt Western Digital nun Modelle mit riesigen 2,5 und 3 Terabyte in die Läden. ITACE hat die größte Festplatte der Welt, die WD30EZRSDTL, untersucht und herausbekommen, ob die Platte mehr drauf hat, als nur gewaltig viel Speicherplatz. Soviel vorweg: Ganz ohne Tücken ist der neue Speichergigant nicht.
50 Prozent mehr Speicherplatz als bisher
Festplatten mit 3 Terabyte Speicherkapazität gibt’s als externe Variante schon etwas länger. Nur hat sich bisher kein Hersteller getraut, so ein Speichermonster auch für den internen Gebrauch in Desktops auf den Markt zu bringen. Western Digital hat sich nun ein Herz genommen und gleich zwei neue Modelle vorgestellt, die die 2 Terabyte-Mauer durchbrechen: Die WD Caviar Green 2,5 Terabyte (WD25EZRSDTL) und WD Caviar Green 3 Terabyte (WD30EZRSDTL). Mit einer Datendichte von 750 Gigabyte pro Platter führt WD damit den Markt für SATA-Festplatten bezüglich Kapazität erst einmal an. ITACE hat das Topmodell getestet.
Eine Frage der Kompatibilität
Die hohen Kapazitäten erreicht WD maßgeblich durch zwei Techniken: Einerseits durch die hohe Datendichte von 750 Gigabyte pro Platter und andererseits durch den Einsatz von Advanced-Format, das die Sektorgröße auf 4096 Byte vergrößert (mehr zu dieser Technik in einem eigenen Artikel). Das Ganze hat aber einen Haken: Das Betriebssystem muss mitspielen und die Technik unterstützen, denn die Festplatten melden nach außen weiterhin eine Sektorgröße von 512 Byte. Windows XP kommt damit nicht zurecht, besser sieht es bei MacOS (Tiger, Leopard und Snow Leopard), Windows Vista und Windows 7 aus. Doch die richtige Wahl des Betriebssystems schafft nicht automatisch alle Probleme aus der Welt.
Die Überwindung der 2,19 TB-Grenze
Wer die Platte wie gewohnt einbaut und etwa unter Windows 7 in Betrieb nimmt, kann in der Datenträgerverwaltung nur eine Partition mit 2,19 Terabyte erstellen, die restlichen 762 Gigabyte lassen sich nicht partitionieren. Das liegt daran, dass die in den meisten Computern eingesetzten BIOS-Versionen und Partitionstabellen bei 2,19 Terabyte an eine Grenze stoßen, da sie maximal 2^32 logische Blöcke adressieren können. Ausgehend von einer Sektorengröße von 512 Byte ergibt sich daraus eben die genannten 2,19 Terabyte. ist Es müssen also 2^64 Blöcke (“Long LBA”) adressierbar gemacht werden, woraus sich die nächste Grenze erst bei 18 Exabyte aufbaut. Das sollte für die nahe Zukunft erst einmal reichen. In der Gegenwart ergeben sich dadurch allerdings ein paar Schwierigkeiten:
1. Kein booten mit 32-Bit-Betriebssystemen: Die gute Nachricht – die neuen Festplatten funktionieren auch mit 32-Bit-Betriebssystemen. Die Schlechte: Aber nicht als Bootlaufwerk und auch nur als Zweitplatte in einer moderneren Umgebung. Denn nur aktuelle 64-Bit-Betriebssysteme unterstützen das fürs Booten erforderliche Long LBA. Und: Wer die neuen Platten als reines Datenlaufwerk einsetzen will, muss ein aktuelles System mit modernem AHCI-Controller unterm Schreibtisch stehen haben. Selbst dann ist eine reibungslose Inbetriebnahme nicht gewährleistet, da auch die Treiber mitspielen müssen. Mit 64-Bit-Betriebbsystemen ist der Einbau als Datenfestplatte vergleichsweise unkompliziert. Es reicht in der Datenträgerverwaltung die neue Festplatte als GPT- statt als MBR-Datenträger anzumelden.
2. Booten mit 64-Bit Betriebssystem ist zumindest problematisch: Auch bei 64-Bit-Betriebssystemen wird die Sache kompliziert, wenn die neue Platte als Bootlaufwerk fungieren soll. Denn dafür ist ein PC mit UEFi (Universal Extensible Firmware Interface) erforderlich, dem Nachfolger des etablierten BIOS. Allerdings sind nur wenige Mainboards mit dieser Technik bestückt. Western Digital versucht diese Unzulänglichkeiten durch die Beigabe eines PCI Express Controllers (HBA) zu umgehen, der entsprechende Treiber und AHCI-Unterstützung bietet. Damit sollen die Festplatten auch in älteren Systemen funktionieren. Im Test machte die Karte aber einigen Ärger. Erstens ist das Slotblech für den Einsatz in normalen Gehäusen zu kurz und zweitens wurde die Karte je nach PCIe-Slot manchmal erkannt und manchmal nicht. Eines der Testsysteme ließ sich mit eingesteckter Karte sogar überhaupt nicht starten.
Ordentliche Leistung
Angesichts der Tatsache, dass die Caviar Green-Serie in erster Linie mit geringem Stromverbrauch, leisem Betrieb sowie niedrigen Temperaturen wirbt, und die Festplatte nur mit 5.400 U/min arbeitet, darf der Nutzer keine absoluten Spitzenleistungen erwarten. Immerhin verspricht Western Digital „starke Performance“. Zum Vergleich haben wir eine Seagate Barracuda 1 Terabyte (ST31000528AS) herangezogen, ein recht schnelle, günstige Mittelklasse-Festplatte, die allerdings mit 7.200 U/Min läuft.
SiSoft Sandra 2010
Sandra bietet mit dem Benchmark für „Physikalische Laufwerke“ einen Test, der die Leseleistung unabhängig vom Dateisystem Transferraten und Zugriffszeiten ermittelt. Mit einem Laufwerksindex von 96 MB/s erzielt die WD30EZRSDTL ein durchschnittliches Ergebnis.
Das Freeware-Programm HD Tune kontrolliert die Transferraten und Zugriffszeiten von Festplatten. Im Lesetest liegen beide Platten in etwa gleich auf. Die WD30EZRSDTL schafft eine durchschnittliche Leserate von 103,9 MB/s. Im Schreibtest (nur in HD Tune Pro vorhanden) schneidet die Barracuda deutlich besser ab. Das Ergebnis der WD ist mit 89,9 MB/s aber noch voll im grünen Bereich.
Der ATTO Disk Benchmark testet beim Lesen und Schreiben die sequenziellen Transferraten für verschiedene Dateigrößen zwischen 0,5 Kilobyte und 8 Megabyte. Auch hier zeigt die WD30EZRSDTL (linker Chart) für ein „grünes Laufwerk“ ansprechende Leistungen.
PCMark Vantage
Etwa abstrakt sind die Werte, die der im System-Benchmark PCMark Vantage eingebaute Festplattentest ausspuckt. Das Programm testet verschiedene Szenarien wie Videobearbeitung, Windows-Bootzeit, Spiele und Anwendungsstarts und fasst diese Ergebnisse in einer Zahl zusammen. Die Caviar Green erreicht hier 3.694 Punkte, wird von der Seagate Barracuda also deutlich geschlagen.
Insgesamt ist die Leistung für eine 5.400er-Platte sehr ordentlich, wer aber eine besonders schnelle Platte für anspruchsvolle Aufgaben sucht, ist mit der Western Digital Caviar Green 3 TB definitiv falsch beraten.
Stromverbrauch, Temperatur, Lautstärke
Western Digital gibt als Verbrauchswerte maximal 10,75 Watt unter Last und rund ein Watt im Standby an. Die wichtigste Angabe bezieht sich allerdings auf den Idle-Zustand, also die Zeit, in der Windows einfach so vor sich hin läuft, ohne dass jemand am PC arbeitet. Hier nennt WD 5,5 Watt, tatsächlich liegt der Wert in der Praxis mit rund 3,6 Watt sogar etwas niedriger. Das ist angesichts der gewaltigen Speicherkapazität ein Spitzenwert. Auch sonst gibt sich die Festplatte in Sachen Umwelteigenschaften keine Blöße: Sie arbeitet so gut wie unhörbar und wird im Betrieb nicht mehr als handwarm.
Fazit
Dieses Speichermonster auf den Markt zu bringen verdient Respekt. Denn es wird sicher viele Nutzer geben, die sich über Inkompatibilitäten und andere Probleme beklagen. Der Einbau ist auf alle Fälle nicht so trivial, wie bei anderen Festplatten. Zudem ist der Preis zur Zeit noch alles andere als attraktiv. Die Hersteller-Preisempfehlung für die 2,5 Terabyte-Version liegt bei 162 Euro, der der 3 Terabyte-Ausführung bei 210 Euro. Für das Geld der großen Version könnte man sich auch gleich zwei 2 TB-Festplatten leisten und würde dann immer noch günstiger wegkommen. Aber: Die Preise werden fallen, spätetestens wenn die Konkurrenz nachzieht. Unterm Strich bleibt eine Festplatte mit (noch) einzigartiger Kapazität und, im Verhältnis zur Größe, guten Leistungen sowie sehr niedrigem Stromverbrauch. Wer also nie genug Festplattenplatz haben kann und ein modernes System sein eigen nennt, kann zugreifen.
Western Digital Caviar Green 3 TB (WD30EZRSDTL)
Hersteller: Western Digital
Preis: 210 Euro (UVP)
Technische Daten
- Cache-Größe: 64 MB
- Formatierte Kapazität: 3.000.592 MB
- Kapazität unter Windows: 2.720 GB
- Schnittstelle: SATA 3 GB/s
- Maße: Höhe 26,1 mm, Tiefe 147 mm
- Akustik Ruhezustand: 24 dBA (durchschnittlich)
- Akustik Suchmodus 0: 29 dBA (durchschnittlich)
- Akustik Suchmodus 3: 25 dBA (durchschnittlich)
- Verlustleistung Lesen/Schreiben: 6,0 Watt
- Verlustleistung Leerlauf: 5,50 Watt
- Verlustleistung Standby: 0,80 Watt
- Verlustleistung Ruhemodus: 0,80 Watt










1 Trackback or Pingback for this entry
Januar 12th, 2012 on 06:52
Hi…
http://www.webcamgirls4.com/...