Auch wenn die integrierten Monitore in Kameras immer besser werden – ob ein Foto richtig gut geworden ist, lässt sich erst auf dem PC-Monitor beurteilen. Das ständige Ein- und Ausbauen der Speicherkarte kann aber ganz schön nerven. Eine Lösung für dieses Problem versprechen die SD-Speicherkarten von Eye-Fi samt integriertem WLAN-Modul. Die übertragen Bilder und Videos direkt aus der Kamera drahtlos an den Computer. ITACE hat das Modell Explore X2 unter die Lupe genommen.
Klein, aber oho
Rein äußerlich unterscheidet sich die Explore X2, genau wie die anderen Eye-Fi SD-Modelle, nicht von herkömmlichen SD-Karten. Im Inneren versteckt sich allerdings ein Mini WLAN-Modul nach 802.11n-Standard. Das ist möglich, da die eigentlichen Speicherchips nur noch einen kleinen Teil des Gehäuses ausfüllen.
Inbetriebnahme
Ohne Software funktioniert das drahtlose Übertragen von Bilddaten leider nicht. Zunächst muss also mit Hilfe des beigelegten Kartenlesers die auf der SD-Karte befindliche Software „Eye-Fi Center“ auf dem PC (oder Mac) landen und mit dem hauseigenen Funknetzwerk verknüpft werden. Das Ganze ist in wenigen Minuten erledigt. Hat alles geklappt, erscheint rechts unten in der Taskleiste ein Eye-Fi- Symbol. Anschließend wird noch ein Speicherordner für die übertragenen Fotos hinterlegt und schon kann es losgehen.
Ab sofort überträgt die Kamera aufgenommenes Material mit einigen Sekunden Verzögerung auf den Computer. Wie lange das dauert, hängt natürlich maßgeblich vom Funknetzwerk und der Größe der Bilder ab. Ein fünf Megapixel großes Bild benötigte für die Übertragung im Test rund 4 Sekunden, das Notebook unterstützte dabei den „g“-Standard. Während der Übertagung erscheint eine kleine Vorschau des Bildes in der unteren rechten Ecke des Monitors. Praktisch wäre es, darüber auch direkt zum entsprechenden Ordner zu gelangen. Insgesamt klappt das Ganze wie versprochen und erweist sich als überaus praktisch. Darüber hinaus ist je nach Eye-Fi-Modell aber noch viel mehr möglich (siehe Bild).
Je nach Modell viele Extra-Funktionen
Unterstützung von Online-Portalen und sozialen Netzwerken: Fotos lassen sich auf Wunsch auch direkt ins Internet übertragen. Zur Auswahl stehen 25 Online-Dienste, darunter Größen wie Flickr und Facebook. Alternativ können Sie Fotos via FTP auch auf Ihren eigenen Servern speichern. Zudem ist es möglich, Bilder auf den Eye-Fi-Servern zu parken. Am PC sind diese Aufnahmen anschließend über das Eye-Fi-Center abrufbar. Das Ganze funktioniert ohne Notebook, die Kamera loggt sich automatisch in offene Hotspots ein. Der Service ist bei den Karten Explore X2 und Pro X2 ein Jahr kostenlos.
Geotagging: Fast alle Eye-Fi-Karten beherrschen Geo-Tagging, können also Fotos mit Ortsangaben versehen. Die Karten selbst haben allerdings keinen GPS-Empfänger eingebaut, sondern nutzen Funknetzwerke für die Standortbestimmung. Eye-Fi verwendet dafür die Datenbank des Unternehmens Skyhook Wireless, das nach eigenen Angaben weltweit mehr als 100 Million WLAN-Access-Points erfasst hat und eine Genauigkeit von 10 bis 20 Metern bietet. Echte GPS-Empfänger arbeiten allerdings etwas genauer und funktionieren vor allem auch dort, wo keine Funknetzwerke vorhanden sind, also etwa in der freien Natur.
Übertragen von Videodateien: Neben Fotos übertragen die Eye-Fi-Karten auch Videodateien bis zu 2 Gigabyte Größe in den Formaten mpg, mov, flv, wmv, avi, mp4 und mts. Gerade bei HD-Videos dauert die Übertragung aufgrund der gewaltigen Datenmenge aber seine Zeit, so dass hier der Kartenleser meist die bessere Alternative darstellt. Nettes Extra: Auf Wunsch lassen sich die Videos auch direkt in Internet-Videoportale wie Youtube, Flickr und Facebook hochladen.
Endless Memory Modus: Nie wieder eine volle Speicherkarte – das ist die Idee, die hinter der Funktion „Endless Memory Modus“ steht. Einmal über die Software aktiviert, löscht die Karte ab einer einstellbaren Belegung der Speicherkarte automatisch die Bilder, die bereits übertragen wurden.
Was Sie wissen müssen
Kompatibilität: Eye-Fi-Karten sind zu vielen, aber nicht zu allen Kameras kompatibel. Logisch – Voraussetzung ist ein SDHC-Karteneinschub, denn Adapter unterstützen die Eye-Fi-Karten nicht. Aber auch ein SDHC-Kartenslot garantiert nicht, dass die Datenübertragung klappt. Auf der Internetseite von Eye-Fi finden Sie eine Liste mit kompatiblen Kameras. Allerdings steht hier lediglich, welche Modelle der Hersteller überprüft hat und welche das „Eye-Fi-connected“-Logo tragen (siehe nächster Punkt). Wenn Ihre Kamera nicht in der Liste auftaucht, hilft aber in der Regel eine Google-Suche weiter.
Stromverbrauch: Eye-Fi-Karten saugen kräftig am Kamera-Akku. Je nach Kameramodell macht die Batterie zwischen 20 und 30 Prozent früher schlapp, als mit einer herkömmlichen Speicherkarte. Leider lässt sich die WLAN-Funktion nur bei Modellen mit dem „Eye-Fi-connected“-Logo in der Kamera selbst deaktivieren, und das sind nicht gerade viele. Bei allen anderen lässt sich die Funktion nur über die Software am Computer ausschalten.
Dazu kommt, dass die Kamera während der Datenübertragung eingeschaltet bleiben muss. Dementsprechend ist der Nutzer gezwungen, die Stromsparfunktionen zu deaktivieren, was ebenfalls an der Ausdauer des Akkus knabbert.
RAW-Modus nur bei Pro X2: Profis müssen wohl oder übel zu teuren Pro X2-Ausführung greifen. Denn nur die beherrscht das Übertragen von Fotos im RAW-Format. Alle anderen Eye-Fi-Modelle funken lediglich Fotos im JPEG-Format.
Unterwegs besser mit Pro X2: Das Gleiche gilt auch, wenn Sie unterwegs außerhalb von Funknetzen Fotos von der Kamera drahtlos ans Notebook funken wollen. Lediglich die Pro X2 kennt den Adhoc-Modus, mit dessen Hilfe Sie eine Verbindung von Ihrer Kamera zum Notebook ohne Wireless-Router herstellen können.
Geschwindigkeit
Neben den vielen Extras zählt letztlich auch die Geschwindigkeit der Karte. Als Speicherkarte der Tempoklasse 6 (class 6) sollen die neuen Eye-Fi-Modelle auch genügend Leistung für professionelle Digital- und HD-Videokameras bieten. In der Praxis gab es selbst bei der Aufnahme von Full-HD AVHCD-Videos keine Probleme, zu den schnellsten Karten gehört die Explore X2 aber nicht. Im Vergleich mit der Sandisk Extreme HD Video zog sie klar den Kürzeren.
Fazit
Ein interessantes Produkt: Das Herumgestöpsel mit Kartenleser und Speicherkarten gehört mit Eye-Fi endlich der Vergangenheit an. Gerade für Fotografen, die öfter Produktfotos oder ähnliches knipsen, sind die WLAN-Speicherkarten ideal. Aber: Die Preise sind gesalzen. Die getestete Explore X2 kostet mit knapp 100 Euro rund vier- bis fünfmal so viel wie herkömmliche SD-Speicherkarten gleicher Größe und Leistung.
Explore X2
Hersteller: Eye-Fi
Preis: 99,99 Euro (UVP)
Connect X2: 59,99 Euro (UVP)
Geo X2: 79,99 Euro (UVP)
Pro X2: 129,99 Euro (UVP)






