E-Book-Reader könnten die Zukunft des Buchhandels sein, ermöglichen sie doch den direkten digitalen Vertrieb per Internet. So hat fast jeder große Online-Buchhändler auch einen eigenen E-Reader im Angebot, der den Weg in den Shop verkürzen und komfortablen Lesespaß ermöglichen soll. ITACE hat den Acer LumiRead getestet, das Hausmodell der Handelskette Libri.


E-Reader mit Shop-Anbindung

Während der zuletzt getestete Sony PRS-650 nicht an einen bestimmten Anbieter gebunden ist, ist der Acer LumiRead in den Shops des Buchgroßhändlers Libri erhältlich. Das Gerät wird in zwei Varianten angeboten: Für 179 Euro bekommt man den LumiRead in einer Art Standard-Version, die neben einer USB-Schnittstelle auch einen WLAN-Adapter besitzt. Damit kann man im heimischen Netzwerk oder in einem öffentlichen Hotspot online gehen und neue Bücher aus dem Libri-Shop herunterladen. Das funktioniert ganz einfach über einen Link, der sich direkt im Hauptmenü befindet. Per Tastatur lassen sich im Shop Buchtitel ins Suchfeld eintippen, oder man folgt einfach den vorgegebenen Links und Empfehlungen. In beiden Fällen lassen sich die gefundenen Bücher nach Eingabe der eigenen Benutzerdaten herunterladen.

Wer etwas mehr Geld investieren möchte, kann auch zur 229 Euro teuren UMTS-Version greifen. Der Clou: Im Lieferumfang ist schon eine Tchibo-SIM-Karte mit einem Datenvolumen von 50 Megabyte enthalten. Das Einkaufen im Libri-Shop ist damit auch von unterwegs aus möglich, und das ohne zusätzliche Verbindungskosten. Libri bucht dem Kunden beim Kauf einfach eine Erstattung in Form von zusätzlichem Datenvolumen auf das Konto der SIM-Karte. ITACE stand zum Testen die WLAN-Version zur Verfügung.

Bedienung im Hochformat

Beim ersten Auspacken des Acer LumiRead fällt sofort seine etwas ungewöhnliche Bauform auf: Anders als etwa der Sony PRS-650 setzt der Acer nicht auf einen Touchscreen, sondern auf die Bedienung per Mini-Joystick und eine Tastatur, mit der bei Bedarf Text eingetippt werden kann. Damit befindet er sich in prominenter Gesellschaft, denn Amazons E-Book-Reader Kindle, sicher eines der am meisten beachteten Geräte, setzt auf exakt das gleiche Konzept. Nach dem Einschalten begrüßt den Benutzer ein Hauptmenü, das einem Bücherregal nachempfunden ist. Das sieht nett aus und funktioniert ganz ordentlich, ist aber in Hinblick auf die einfache Bedienbarkeit bzw. die Übersicht nicht optimal. Wie es besser geht, hat der Sony im ITACE-Test gezeigt: Hier lässt ein großer Bereich im Kopf des Menüs keine Zweifel darüber aufkommen, wie man mit einem einzelnen Fingertipp zur letzten Textstelle zurückkehrt. Diese Intuivität lässt der Acer ein bisschen vermissen.

Bei der Navigation per Joystick vertieft sich dieser Eindruck: Die klappt ganz gut, aber einfach nicht optimal. Lästig: Oft reagiert das Display zu langsam, so dass man einen Tastendruck unbewusst wiederholt, weil das Gerät beim ersten Mal scheinbar nicht reagiert hat. Prompt schießt man bei der Bedienung übers Ziel hinaus, landet im falschen Menü oder in der falschen Sektion des Hauptmenüs und muss zurück navigieren. Erst nach einer gewissen Gewöhnungszeit lernt man die benötigte Geduld und Sorgfalt. Bei einem Gerät, das möglichst so einfach zu handhaben sein soll wie ein Buch, trübt das den Spaß spürbar.

Für das Aufrufen von Kontextmenüs oder den Sprung zum Hauptbildschirm sind (wie üblich) eigene Tasten zuständig, die ohne Touchscreen allerdings auch unverzichtbar sind. Texteingaben, etwa im Online-Shop oder für Textkommentare, werden über die Mini-Tastatur eingetippt. Das klappt gut, auch wenn man sich erst einmal an die Tastenbelegung („Alt“ für die Zahleneingabe, „Sym“ für Sonderzeichen) gewöhnen muss. Das Vor- und Zurückblättern beim Lesen geschieht mit zwei großen, gut bedienbaren Tasten am rechten Rand des Geräts. Gut: Die lassen sich schnell ertasten und lenken nicht ab. Weniger gut: Durch das hohe Format und den weit oben liegenden Schwerpunkt des LumiRead bleibt bei der Nutzung der beiden Tasten das Gleichgewicht auf der Strecke. So bleibt immer die Wahl, den Reader entweder weiter oben halten, und zum Blättern nach unten umzugreifen, oder das Gerät die ganze Zeit von hinten abzustützen.

Älteres Display

Das Display des Acer LumiRead hat eine Diagonale von 6 Zoll (ca. 15 cm), eine Auflösung von 600×800 Bildpunkten und kann 16 Graustufen darstellen. Damit unterscheidet es sich auf dem Papier zunächst einmal nicht vom Display des Sony PRS-650, dessen E-Ink-Bildschirm entstammt allerdings der neusten „Pearl“-Generation. Im Acer verrichtet dagegen ein älteres „Vizplex“-Display seinen Dienst, und das kann hinsichtlich des Kontrasts und der Farbgebung nicht mehr so ganz mithalten. Trotzdem: Die Texte sind gut lesbar und verursachen (nicht zuletzt dank 3 wählbarer Schriftgrößen) keine große Anstrengung der Augen. Tipp: Zum Einstellen der Schriftgröße dient die Sondertaste unten rechts auf der eingebauten Tastatur. Verwendet man die Zoom-Funktion, wird die ganze Seite vergrößert, ohne dass das Gerät den Zeilen- oder Seitenumbruch anpasst.

Gute Ausstattung

Hinsichtlich der Ausstattung macht der LumiRead eine gute Figur: Neben der WLAN- (und der UMTS-) Fähigkeit bringt das Gerät einen internen Speicher von 2 Gigabyte und einen Micro-SD-Steckplatz mit, der Speicherkarten bis zu einer Kapazität von 32 Gigabyte aufnehmen kann. Die Kapazität des Akkus reicht laut Hersteller für 8000 Seitenwechsel. Wer nicht allzu intensiv im Internet surft oder Musik hört, sollte also einige dicke Bücher lesen können, bevor das Gerät wieder ans Netz muss. Ein Ladegerät und ein USB-Kabel sind im Lieferumfang enthalten, notfalls lässt sich der LumiRead also ganz ohne PC einsetzen. Originell: Auf der Rückseite des Geräts befindet sich eine kleine Digitalkamera, die als Scanner für die ISBN-Nummern von Büchern dient. Mit den eingescannten Nummern lässt sich dann ermitteln, ob es das betreffende Buch auch in elektronischer Form gibt. Ob man tatsächlich die Bücher im eigenen Schrank damit für einen zweiten elektronischen Kauf heraussucht, oder ob man im Buchladen den Reader auspackt, um die elektronische Version im Netz zu suchen, bleibt dahingestellt.

Fazit: Schwächen in der B-Note

Der Acer LumiRead ist ein E-Reader, bei dem das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt, und mit dem man E-Books ganz ordentlich herunterladen und lesen kann. Zudem machen WLAN- und UMTS-Fähigkeit das Gerät sehr flexibel und mobil einsetzbar. Trotzdem bleibt die richtige Begeisterung aus, denn die etwas holperige Bedienung, das langsame und nicht sehr kontrastreiche Display und die ungünstige Anordnung der seitlichen Tasten trüben das Vergnügen spürbar. Letztendlich lohnt sich der LumiRead für eingefleischte Libri-Kunden und für alle diejenigen, die ein preiswertes, gut ausgestattetes Gerät suchen, das auch ohne den PC auskommt.

LumiRead
Hersteller: Acer (erhältlich bei Libri)
Preis: 179 Euro/229 Euro (UMTS-Modell)

Technische Daten:

  • Bildschirm-Technologie: E Ink Vizplex
  • Bildschirmgröße (Zoll/cm): 6 /15,24
  • Auflösung: 600 x 800, Grauschattierung mit 16 Abstufungen
  • Integrierter Flash-Speicher: 2 GB
  • Speicher-Schnittstellen: Micro-SD Card
  • Akkubetriebsdauer: 8000 Seitenwechsel (Herstellerangabe)
  • USB-Anschluss: Micro-USB 2.0
  • Netzwerk-Schnittstellen: WLAN (802.11b/g), UMTS (bei UMTS-Ausführung)
  • Kompatible E-Book-Formate: PDF, ePUB, MOBI, HTML, CHM, RTF, DOC, TXT
  • Audioformate: MP3
  • Bildformate: „alle gängigen Bild-Formate“ (Herstellerangabe)
  • Abmessungen (B x H x T, Millimeter): 118 x 209,5 x 10,3
  • Gewicht: 250 Gramm
  • Sonstige Anschlüsse: Kopfhörer-Anschluss, 3,5 mm Klinke
  • Besonderheiten: ISBN-Scanner
  • Lieferumfang: USB-Kabel, Kurzanleitung, CD-ROM mit Software, Netzteil, SIM-Karte (bei UMTS-Ausführung)

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